Mini Welt: Stan Lafleur

June 1, 2017

 

 

Protekli rujan u svratištu je boravio pisac iz Koelna Stan Lafleur čije smo vodom nadahnute fotografije s radošću objavili na stranicama našeg časopisa. Ovaj put donosimo prijevod s njemačkog na hrvatski jezik prologa odnosno pjesme istoimena naslova iz autorove nove zbirke izabranih pjesama naslovljene Mini Welt (Maleni svijet) te objavljene pri Lyrik-Edition Rheinland, Edition Virgines u Düsseldorfu 2017. Pjesma je nastala kada je Stan šećući ližnjanskom obalom zagubio svoj notes da bi ga sljedeći dan pronašao izblijedjelih slova - nestale su njegove pjesme o galebovima. Trebalo ih je napisati iznova. Cijela zbirka pronašla je svoje mjesto na policama knjižnice našeg svratišta podsjećajući nas svojima motivima mora, galebova, prolaznosti na razgovore koje smo to kasno ljeto vodili sa Stanom, razgovore o putovanjima, onima koje biramo i onima koje smo prisiljeni poduzeti, o novoj slici Europe, o potragama za smislom i značenjima...

 

 

Stan Lafleur, geboren 1968 in Karlsruhe, lebt in Köln. Er schreibt Lyrik, Prosa, Hörspiele, Bühnenszenarien und bloggt auf rheinsein über die rheinischen Kulturlandschaften. Sein Werk umfaßt bisher 16 Einzeltitel, sowie zahllose Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften. Seine Texte wurden mehrfach ausgezeichnet (unter anderem mit dem Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium der Stadt Köln und dem Literaturpreis des Landes Nordrhein-Westfalen), vertont, verfilmt und in ein gutes Dutzend Sprachen übersetzt.

Zuletzt erschienen: MINI WELT, Lyrik-Edition Rheinland, Edition Virgines, Düsseldorf 2017, Rhein-Meditation, Edition 12 Farben, rhein wörtlich, Köln 2014/15, Known unto God ou l’incroyable histoire de Monsieur Topowski, éditions invenit, Tourcoing 2014

 

Stan über ZiN und die MINI WELT

 

Vergangenen Herbst verbrachte ich zwei Wochen als Gast bei Zvona i Nari, ein ideales Refugium, um letzten Schliff an die MINI WELT zu legen: mein aktuelles Gedichtbändchen, damals noch titellos. Häufig führte mein Weg in Liznjan hinunter an die Küste, wo das Meer gemächlich über die Felsen schwappte. Einerseits beruhigend, andererseits gingen mir Verszeilen Björn Kuhligks aus "Die Sprache von Gibraltar" durch den Kopf: "die Ertrunkenen werden zu Mittelmeerboden". So versuchte ich, mit Blick über die Adria, die Richtungen auszurechnen, in denen sich regelmäßig Fluchtdramen und -katastrofen abspielten: ungefähr da und dort hinter dem blauen Idyll. Auch zwischen dem nahen Slowenien und Kroatien war inzwischen ein Grenzzaun errichtet worden, um Flüchtende abzuschrecken. Schon während der Reise hatten an allen Ländergrenzen (Deutschland/Österreich/Slowenien/Kroatien) langwierige Personenkontrollen stattgefunden. Dergleichen hatte ich innerhalb Europas seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt. Die Themen Flucht und Europa spielten in Gesprächen bei Zvona i Nari zentrale Rollen – in den Gedichten allerdings kommen sie nicht vor. Allenfalls fliehen Möwen aus den Versen und konstituiert ein schwelendes, schwebendes Europa sich in Reflexionen über Probleme, die deutlich weniger lebensgefährlich sind als in einer überfüllten lecken Nussschale das Meer zu queren. Das wurde mir spätestens bewusst, als ich eines meiner Notizbücher wiederfand, das ich zuvor in einer Bucht liegen gelassen hatte. Sämtliche Notizen waren über Nacht verschwunden bzw. nur noch als ausgebleichte, quasi skelettierte Schemen wahrnehmbar. Die Suchen nach Sinn und Glück, Erfolge, Enttäuschung, Vergeblichkeit, im Geistigen, im Materiellen, im Fysischen: so krass die Unterschiede ihrer Bedingungen und Ausprägungen: innerhalb der Welt konstruieren wir Welten, gehen in ihnen unter, bekämpfen, berühren, vermehren  uns darin, und noch während wir uns miteinander und den Dingen vereinen, ziehen wir bereits neue Grenzen auf.“

 


Prolog

 

Das Manuskript hatte ich dem Meer überlassen
es wusch so gut wie alle Wörte aus. was stehen
geblieben war überzeugte mich nicht trotz des

 

gewellten Papiers das nun nach Algen roch und
in der Sonne gebleicht einen stilvollen Eindruck
hinterliess. was ich mit den Worten gewollt (die

 

Möwen die aus den Seiten stoben) schrieb ich
erneut mit gaenzlich anderen Buchstaben aus
demselben Alfabet ergaben die Worte abermals 

 

wenig Sinn und so wiederholte ich Prozedur um
Prozedur: kein Gedicht der Welt kann bestehen
solange das Meer nicht ausgetrocknet sein wird

 

 

Prolog

 

Rukopis sam prepustio moru
koje je ispralo sve riječi. ono što je
ostalo, nije bilo uvjerljivo usprkos

 

naboranom papiru koji je sada mirisao na alge i
tako na suncu izblijeđen ostavljao dobar dojam.
ono što sam želio riječima (galebove

 

da izlijeću sa stranica) zapisao sam
ponovno potpuno drugim slovima
iste abecede, no i opet su riječi

 

imale malo smisla pa sam ponavljao postupak za
postupkom: nijedna pjesma na svijetu ne može opstati
sve dok je mora, dok se ono ne isuši

 

 

Prijevod/Übersetzung: Natalija Grgorinić &Ognjen Rađen u suradnji sa/mit Sabinom Lacmanović

 

 

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The image of Quasimodo is by French artist Louis Steinheil, which appeared in  the 1844 edition of Victor Hugo's "Notre-Dame de Paris" published by Perrotin of Paris.

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